Eine Frau im Schlaf
Schlaf, Schlafstörung

Was ist Schlaf?

Das ist die spannende Frage. Schlaf ist mehr als nur Regeneration. Im Schlaf löst unser Unterbewußtsein Probleme des Tages, „räumt“ unser Gehirn aktuelle Erfahrungen auf, transportiert diese ins Langzeitgedächtnis und reinigt sich selbst. Wir träumen im Schlaf, fliegen durch Fantasiewelten oder fahren alle Systeme wie ein Stein runter. Zusätzlich kann Schlaf auch als kultureller Ausdruck genutzt werden.

Warum Schlafen wir?

Diese Frage ist nicht einfach zu klären.

Untersuchungen von Allan Rechtschaffen und Bernard M. Bergman

Die Wissenschaftler Allan Rechtschaffen und Bernard M. Bergman würden die Frage nach dem Warum sicher mit „Um nicht zu sterben!“ beantworten. 2002 veröffentlichten beide im Magazin SLEEP einen Artikel über ihre Schlafentzugversuche an Laborratten, der besagte dass alle Ratten nach zwei bis sechs Wochen Schlafentzug gestorben sind.

Schlafentzug führt zum Tod!

Rechtschaffen und Bergman konnten die Ursache nicht genau bestimmen, aber sie waren sich sicher, dass der Verlust der Wärmeregulationsfähigkeit ein wichtiger Aspekt ist. Ein geschwächtes Immunsystem oder das physiologische „Aufräumen“ des Gehirns schlossen beide aus und gaben aber zu dass sie Kerntodesursache nicht entschlüsseln konnten.

Was können wir daraus schließen?

An dieser Stelle kann man die Frage stellen, ob Ergebnisse von Labortieren auf den Menschen übertragbar sind oder nicht. Alleine die Tatsache, dass Schlafentzug zum Tode führt ist eine drastische Erkenntnis, die eine Übertragbarkeit auf Lebewesen im Allgemeinen nahe legt. Menschen werden durch Schlafentzug von Halluzinationen heimgesucht und das Gedächtnis funktioniert nicht mehr optimal, daher hört sich die These, dass Schlaf als „Aufräumzeit“ des Gehirns benötigt wird plausibel an.

Kennen Sie das Wort Scheinkorrelation?

Seit meinem Studium liebe ich das Wort Scheinkorrelation. Es bedeutet, dass man aus Untersuchungsergebnissen heraus Thesen annimmt, die aber falsch sind. Es hatte also in diesem Fall den Anschein, dass mehrere Dinge miteinander korrelieren, also verbunden sind. So könnte man sicher statistisch nachweisen, dass BMW-Fahrer die schlimmeren Raser sind als Trabantfahrer. Das Ergebnis wäre aber durch die unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Pferdestärken als systematische Verzerrung leicht erklärbar. Es ist aber nicht immer so eindeutig, wie in diesem Beispiel, daher lohnt es sich meiner Meinung nach sich auch Fragen entgegen der allgemeinen Thesen zu stellen.

So wäre es beim Thema Schlaf interessant zu wissen, ob man sagen könnte, dass die Nacht zur Regeneration in das genetische Wissen/Programm eingeflossen ist, weil künstliches Licht vor langer Zeit nicht verfügbar war und der Körper diese von außen gegebene Ruhezeit freiwillig angenommen hat? Im Gegensatz dazu steht die aktuelle Basis, dass der Körper Schlaf von sich aus braucht, weil Säfte im Ungleichgewicht sind oder die Neuronenverbände im Wachzustand nichts abspeichern können.

„Nachts ist Kehrwoche“ weil: eine regelmäßige Zwangswartung sein muss versus vererbte Gewohnheit.

Nach meinem aktuellen Kenntnisstand kann die Wissenschaft diese und andere offenen Fragen noch immer nicht beantworten. Daher lautet die Antwort auf die Frage warum wir schlafen ernüchternd einfach: Weil wir irgendwann müde werden und unser Körper sich selbst in den Schlafmodus versetzt.

Der Körper sagt wann er müde ist und drängt auf den Schlafmodus.

Was passiert im Schlaf?

Der Schlafende durchlebt mehrere Schlafphasen, die sich durch ihre Schlaftiefe unterscheiden. Direkt nach dem Schließen der Augen entspannt sich der Körper und geht in die Phase des leichten Schlafes über. Es folgt der Übergang zum Tiefschlaf, in dem die Regeneration stattfindet. Im Lauf der Nacht werden alle Schlafstadien abwechselnd durchlaufen, d.h. vom Tiefschlaf kann es auch wieder in den leichten Schlaf oder die REM-Phase gehen. REM steht hierbei für Rapid Eye Movement, also „schnelle Augenbewegungen“, diese werden mit Träumen, also der Verarbeitung des Erlebten oder anderen Gehirnaktivitäten, verbunden.

Neben diesen Gehirnaktivitäten reguliert der Körper Flüssigkeitsstände – bspw. im Gallertkern der Wirbelsäule – oder repariert und baut auf. Man kann sagen, dass nach der täglichen Arbeit das Hobby „Hausputz und Handwerk“ in unserem Körper erledigt wird und beim Feierabendtee wird der Traum angeschaut.

Schlafkultur

Schlafen ist aber auch mehr als nur physiologische Funktionen, Säfte und Regeneration. Schlaf ist auch ein Kulturgut. Wie jedes Kulturgut unterliegt auch der Schlaf einem Wandel. Aus heutiger Sicht erscheint es undenkbar, dass im 17. und 18. Jahrhundert das Bett als „Prunkbett“ in einem Galaraum stand und als Audienzstätte für Fürsten diente. König Ludwig XiV. trieb sein Aufwachritual auf die Spitze und inszenierte u.a. das Grand Levée bei dem der Hofstaat, bis zu 200 Personen ihm beim Aufstehen huldigte – sogar wenn er nicht im Schloss war!

Auch auf weniger adliger Ebene wandelte sich der Umgang mit Schlaf. Können Sie sich vorstellen mit zwanzig anderen in einem Schlafsaal zu liegen? Oder die Kinder im schon sogenannten Elternschlafzimmer zur Ruhe zu betten?

Schlaf ist inzwischen eher eine Privatsache. Und auch im Privaten wandelt sich der Umgang mit Schlaf. Meiner These nach dürfte er sich wie Mode in Zyklen verändern. Schlaf als Gesundheits- und Wellnessfaktor, als Störung der eigenen Produktivität, als Gammlertätigkeit, als zu zelebrierendes Luxusgut, als notwendiges Übel … Wie sehen Sie Schlaf? Wie Ihre Eltern, Großeltern oder Kinder?

Fazit

Egal aus welchem Blickwinkel man Schlaf betrachtet er bietet genügend Gesprächsstoff und bleibt trotzdem ein angenehmes Mysterium. Wie sehen Sie Schlaf?

Ich wünsche erholsamen Schlaf und bin gespannt auf Ihre Sichtweisen!

Thorsten von Bettdecke.de

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