Süße schlafende Katze
Schlaf, Schlafkultur

Erholsam schlafen – Warum interessiert uns das nicht?

Schlafen ist wie Backen und Kochen ein wichtiges Kulturgut, aber es findet selten in der Öffentlichkeit statt. Ganz einfaches Beispiel: Nennen Sie auf Anhieb 5 Blogger, Youtuber oder Fernsehsendungen, die sich regelmäßig mit erholsamem Schlaf beschäftigen. Vergleichen Sie diese Liste mit der Liste, die sich aus dem Thema Kochen ergäbe. Sie sehen den Unterschied?

Dieser Unterschied bleibt auch erhalten, wenn man die gesundheitliche Relevanz von Schlaf betrachtet. Superfoods, Superdiäten, Supertrainings, … aber wo bleibt der Superschlaf?

Ist Schlaf zu langweilig?

Eine mögliche Antwort könnte sein, dass Schlaf in der Bespaßungsgesellschaft keinen Platz hat. Schlaf ist möglicherweise einfach zu langweilig. Was macht man im Schlaf? Im ersten Moment im Prinzip nichts. Man liegt da und atmet. Es ist dunkel und geräuscharm. Das war es schon …

… wenn man nicht weiß, dass der Körper nachts beispielsweise das Gehirn durchspült, um es von Giften zu befreien. An anderen Stellen repariert er Verletzungen des Tages und sorgt für Wachstum. Der Muskelaufbau soll auf diese Weise funktionieren, nämlich über das „Verletzen“ der Muskeln beim Training und dem anschließenden stärkeren Reparaturaufbau durch den Körper. Trainiert man also durchgehend ohne Regenerationsphasen verschenkt man den kostenlosen Muskelaufbau im Schlaf.

Nachts lernen wir ebenso kostenlos indem Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis eingespeichert werden. Und wem häufig zu warm ist, der kann sich überlegen, ob er vielleicht ein massives Schlafdefizit hat, da der zirkadiane Rhythmus und die Wärmeregulationsfähigkeit miteinander verbunden sind. Wenn man zu lange nicht schläft, dann kann man sogar an Überhitzung sterben! Eigentlich ganz spannend. Aber irgendwie hält sich die öffentliche Freude an dem Thema trotzdem in Grenzen. Woran könnte das noch liegen?

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Ist Schlaf zu kompliziert?

Vielleicht schrecken Wörter wie der „zirkadiane Rhythmus“ die meisten Menschen ab. Außerdem gibt es beim Schlaf auch keine einfachen Antworten, da alles in einem komplexen System ineinander greift. Man kann nur schwer sagen, wenn eine Sache verändert wird, ob eine Auswirkung eine direkte Folge ist oder lediglich die Auswirkung eines Wegfalls einer hemmenden Bedingung. Warum ist das so? Unser Körper besitzt sich gegenseitig regulierende Systeme. Schüttet der Körper beispielsweise Melatonin aus, dann hemmt das die Produktion anderer Hormone und umgekehrt. Die Körperchemie wird im Gleichgewicht gehalten. Fehlt ein Hormon an einer Stelle, dann können plötzlich mehrere Zahnräder falsch laufen, da deren Produktionsgeschwindigkeit entweder nicht befeuert oder nicht gehemmt wird.

Da ein Hormon auch mehrere Systeme steuern kann, kann man logischerweise nicht sagen, dass Hinzugabe oder Wegnahme dieses Hormons irgendetwas direkt auslöst. Es könnte ja sein, dass das Hormon lediglich ein Steuerungshormon eines weiteren Kreislaufes nicht mehr reguliert und es ansonsten keine Auswirkung auf diesen Kreislauf hat. Somit könnte man zu Unrecht sagen, dass die Einnahme dieses Hormons Krankheiten oder Leiden lindert und heilt, obwohl es lediglich an einer Stelle in die Regelung des kranken Systems eingreift, die im konkreten Krankheitsfall komplett irrelevant ist, ABER dafür über die Veränderung der Konzentration des künstlich zugeführten Hormons im Blut andere Kreisläufe leicht aus der Balance bringt, welche wiederum von dieser Untersuchung unbemerkt Schaden im Körper anrichten.

Die Einnahme von Melatonin ist ein Beispiel für so eine künstliche Aufnahme von Hormonen. Besonders in den USA gehen angeblich viele Menschen davon aus, dass sie ihre Schlafqualität über die Einnahme von Melatonin steigern könnten. Bei der momentanen Debatte in den deutschen Medien über die Qualität der modernen Wissenschaft, bleibt zu hoffen, dass genügend Wissenschaftler bei solchen Untersuchungen sauber gearbeitet haben und ebenfalls die Komplexität dieses Themas auch wirklich verstehen.

Diese Ungewissheit gibt es bei Backrezepten nicht. Da kann man ohne großes Vorwissen rein über den Genuss reden.

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Ist Schlaf zu gesund?

Ja, der Genuss. Genuss und Lebensfreude sind auf sozialen Zusammenkünften wichtig. Man kennt es, wenn man sich mit den Großeltern und deren Freunden getroffen hat, dann wurde nur von Tod und Krankheiten geredet. Das wollte man nicht hören. Gesundheitsfragen will kaum jemand wirklich auf einer Feier bereden. Da gibt es doch schönere Themen wie das tolle Wetter und was man leckeres gegessen hat oder wer sich neulich wieder blamierte.

Wann wurden Sie das letzte Mal gefragt, welche Bettdecke Sie aktuell empfehlen könnten? Sollten Sie jemals diese Frage gestellt bekommen, dann antworten Sie bitte mit: „Eindeutig die Daunendecken von Bettdecke.de! Da schläft man so erholsam wie noch nie.“ Sie können die Geschichte gerne noch etwas positiv ausschmücken.

Wer jetzt sagt, dass sich Rezepte und Diäten aktuell ebenfalls um das Thema „Gesundheit“ drehen und diese sehr wohl auf Feiern besprochen würden, der hat ein Stück weit Recht. Aber es gibt „gesund“ und „zu gesund“. Ein einfacher Selbsttest reicht dazu. Ja, es mag sich gut anfühlen davon zu erfahren, dass man ein wenig Mehl und Zucker durch Karotten, Papaya, Artischocken, Kürbis, Gurken oder Ähnliches im Kuchen ersetzen kann. Aber, wenn Sie wirklich Lust auf Kuchen haben, würden Sie dann Omas Rezept oder das Analogrezept backen?

Ein Schritt weiter ginge dann die Frage: Trauen Sie sich auf einer Feier ausschließlich Rohkost, Analogrezepte, Wasser und ungesüßten Tee als Gastgeber anzubieten? Wie viele Absagen bei der nächsten Feier erwarten Sie bei der selben kulinarischen Auswahl?

Gesundheit ist „in“, aber nicht „Zu-Gesundheit“

Die Schwelle von Gesundheit zur „Zu-Gesundheit“ liegt in der eigenen Verhaltensänderung und dem nötigen Verzicht. Beim gesunden Schlaf müsste man massiv etwas ändern. Abends keine Bildschirme mehr ansehen, pünktlich ins Bett gehen, guten Umgang mit Bettdecke, Matratze, Schlafzeug und Schlafzimmer diszipliniert durchhalten, keine aufwühlenden Filme/Bücher vor dem Schlafengehen und so weiter.

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Ist Schlaf zu alt?

Das Automobil gibt es schon sehr lange. Die schier unbegrenzte Mobilität für einen persönlich oder zusammen mit der Familie und Freunden. Dieses Konzept des Individualverkehrs ist schon sehr alt. Das war quasi schon immer so. Neue Marken und Modelle, darüber unterhält man sich gerne, aber das Konzept des Individualverkehrs in Frage zu stellen, das wird nur extrem selten gemacht. Das gehört so sehr zur eigenen Kultur, dass es nicht wahrgenommen wird. Das ist halt so.

Es stellt sich im Normalfall keiner die Frage, ob der Schlaf im Sitzen, Stehen oder auf einer schrägen Unterlage besser wäre. Es gibt ein jahrhundertealtes Konzept von Schlaf in den Köpfen und das wird nicht mehr in Frage gestellt. Somit muss man sich auch nicht mehr darüber unterhalten. Wer redet schon über Atmung? Außer Yoga treibende?

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Reden nur die „Falschen“ über Schlaf?

Wenn man davon ausgeht, dass Schlaf nicht das Topthema eines Spieleabends oder einer Feier ist, dann ist die Frage, wer redet denn über Schlaf? Ärzte, Schlafmediziner, Fachjournalisten, Bettwarenbranche und Menschen die akut unter einer starken Schlafstörung leiden und Hilfe suchen.

Keiner dieser Personenkreise erreicht die Mehrheit der Bevölkerung. Es sei denn man zeigt blitzlichtartig wie schlecht es um die deutsche Schlafkultur bestellt ist, da eine neue Studie horrende Zahlen liefert wie viele Menschen angeblich schlecht schlafen würden.

Es fehlen eindeutig TV-Formate wie „Schlaf den Henssler“ * oder „Auf Schlafstreife – Die Spezialisten!“

* Nicht nur damit der auch mal wieder gewinnen kann.

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Fazit

Das waren nun einige Theorien warum das Thema Schlaf nicht häufiger diskutiert wird. Unser gemeinsames Fazit ist hoffentlich: „Warum eigentlich nicht beim nächsten Treffen mit Freunden das Thema Schlaf ansprechen?“ Ist sicher spannend was sich daraus entwickelt!

Ich wünsche viel Erfolg, erholsamen störungsfreien Schlaf und bin gespannt auf Ihre Rückmeldung!

Thorsten von Bettdecke.de

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